
Die Anforderungen an Kommunikationsmittel für den Bereich der Polizei, Feuerwehr etc. bestand auch in der ehemaligen DDR. Hier wurde ebenfalls Funktechnik eingesetzt. Aufgrund der hohen Geheimhaltung und der permanenten Resourcenknappheit war die Ausstattung jedoch nicht unbedingt so weit verbreitet und vielfach von der Technik her gesehen etwas einfacher als in der BRD gehalten. Der Betrieb besonders im polizeilichen Bereich unterlag strengster Geheimhaltung und wurde überwiegend mittels häufig wechselnder Funkschlüssel kodiert übertragen. Leider haben die entsprechenden Unterlagen kaum die „Wende“ überstanden, so das ich bei der Zusammentragung der Informationen abhängig von den wenigen Personen bin, die sich noch an die damalige Arbeit erinnern können. Aufgrund der hohen Geheimhaltungsstufe hatten auch nur wenige einen kompletteren Überblick über das gesamte Kommunikationssystem.
Aus diesem Grunde können die folgenden Ausführungen nicht vollständig sein. Über jede zusätzliche Information oder Ergänzung bzw. auch Korrektur meiner Ausführungen freue ich mich. Auch habe ich als Außenstehender Probleme, die richtigen Begriffe zu verwenden. Wenn Sie mir weiterhelfen können, schreiben Sie mir bitte an malteser@moba-paffenholz.de. Jede Mail wird beantwortet! Danke.
In der ehemaligen DDR wurden insbesondere Funknetze geplant und errichtet für
- Deutsche Post
- Verkehrsbetriebe
- Polizei / Zoll (Frequenzen von 151,500 bis 153,975 MHz Simplex)
- Feuerwehr (Frequenzen von 151,500 bis 153,975 MHz Simplex)
- DRK (Frequenzen im Bereich 68 bis 77,5 MHz Simplex und Duplex)
- Land- und Forstwirtschaft (4-m Band bis Mitte der 60er Jahre, dann 2-m Band, später auch 70-cm Band)
- Bau- und Montagekombinate
- Sportorganisationen
In der Regel lagen die Ausgaben der Relaisfrequenzen ab 163 MHz. Die Simplex Frequenzen für Handfunkgeräte waren ab 172 MHz zu finden.
Das Landfunknetz der Land- und Forstwirtschaft war für die volle Integration in den Katastrophenschutz vorgesehen, da diese lückenfrei im allen Kreisgebieten verfügbar waren.
Funkalarmierungen der Feuerwehren wurden ursprünglich im 9-m Band bei 32 MHz durchgeführt, bevor sie später im 2-m Band bei 151 bis 153 MHz stattfanden.
Aufgrund der zentralistischen Organisation bestanden bereits sehr früh zwischen den Dienststellen auf regionaler Ebene (in der Regel in den Kreisstädten) und „Berlin“ Funkverbindungen. Die Regionalebene war der Führung in Berlin berichtspflichtig. Ebenso wurden seitens der obersten Dienstbehörde die aktuellen Informationen an die Regionalebene weitergegeben. Hierfür wurde praktisch über die gesamte Zeit Kurzwellentechnik verwendet.
So verfügten z.B. die Stäbe der Zivilverteidigung beim "Rat des Kreises" in der Regel über 10 Watt Tornister Kurzwellenfunkanlagen im Frequenzbereich von 40 bis 48 MHZ sowie auch über UKW-Geräte.
Da eine enge Zusammenarbeit zwischen den Polizeibehörden und dem Militär bestand, handelt es sich hierbei nicht um spezielle „BOS“-Geräte, sondern es wurde praktisch die auch bei der NVA genutzte Technik (teilweise aus sowjetischer Produktion) eingesetzt.
Eine sehr umfassende Sammlung dieser Technik gibt es in dem "Technikmuseum der
Landespolizeidirektion
Zentrale Dienste Sachsen
IuK-Schulungs-
und Referenzzentrum Dommitzsch
Weidenhainer Weg 16
04880
Dommitzsch
Tel.: (03 42 23) 45-0
neben vielen anderen interessantes Kommunikationsgeräten (vorwiegend der ehemaligen DDR) zu sehen. Die Ausstellung ist sehenswert. Eine vorherige Anmeldung und Terminvereinbarung ist aber unbedingt erforderlich.
An dieser Stelle möchte ich auf die Beschreibung der Kommunikationstechnik zwischen den regionalen Dienststellen und der Zentralverwaltung verzichten und mich auf die Kommunikationstechnik zwischen den regionalen Dienststellen und den unterstellten Kräften beschränken.
Der Funk der Polizei wurde wohl überwiegend im 2-m-Band abgewickelt. Zur Organisation der polizeilichen Funknetze fand ich die lediglich die hier hinterlegten Informationen. Aus der Funkordnung des Deutschen Roten Kreuzes der DDR von August 1980 läßt sich entnehmen, das das DRK der DDR seinen Funkverkehr sowohl für den Krankentransport / Rettungsdienst (SMH) wie auch in Katastrophenfällen im 4-m-Band abwickelte.
In diesem Zusammenhang ist die Chronik "100 Jahre Feuer- und Rettungsleitstelle Cottbus - 1908 bis 2008" hoch interessant. In dieser wird sehr detailliert die Entwicklung der Kommunikation beschrieben und auch auf die besonderen Schwierigkeiten nach dem Kriege in der ehemaligen DDR eingegangen. Auch wenn hier lediglich von der Entwicklung in Cottbus gesprochen wird, dürfte dies jedoch recht repräsentativ für den gesamten Bereich der ehemaligen DDR sein. (Kopie der Chronik auf diesem Server)
Ab etwa 1955 wurde 2-m-Band Geräte der Serie UFS 301 zur Kommunikation zwischen Feststationen und Fahrzeugen eingesetzt. Vermutlich handelt es sich dabei um die im Heft 17 „Die Nachrichtenmittel“ der Serie „Kleine Fachbücherei der Feuerwehr“ aus dem Staatsverlag der DDR von Ing. Lothar Hoheisel im Jahre 1963 beschriebenen Geräte. Die hierzu interessanten Abschnitte habe ich als pdf-Datei zusammengefaßt. Bitte die Größe der Datei (5 MB) und die daraus resultierenden langen Ladezeiten beachten.
Ab etwa Anfang / Mitte der 60er Jahre kamen die Funkmeldeempfänger UFT 212 bei den Feuerwehren zum Einsatz. Die Alarmierung erfolgte im Frequenzbereich von etwa 33 MHz.

Das System UFS 400 löste ab etwa 1967 die Geräte des Systems 300 ab. Es handelte sich bei dem UFS 401 um ein Gerät mit bis zu 7 Kanälen im 2-m-Band. Verwendet wurde das 20-kHz-Kanalraster. Die Geräte hatten getrennte Quarze für den Sender und Empfänger.

Nachfolger war das System 600, das von 1970 bis 1982 produziert wurde. Das Zusatzgerät URZ2 ist ein Umschalter für Tonruf-Frequenzen, die von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich waren. Hierüber wurden die unterschiedlichen Relaisstellen dann über Tonruf aufgetastet.

Ab ca. 1980 wurde das System 700 eingeführt. Das URZ2 war dabei in dem Gerät integriert. Als Feststation war das UFS 722C mit 100 Kanälen und 10 Watt Sendeleistung genutzt. Das UFS 721C verfügte über 10 oder 16 schaltbare Kanäle und war das entsprechende Fahrzeuggerät. Bei der Betriebsart handelt es sich um Semi-Duplex über Relais.

Ca. in den Jahren 1960 bis 1970 wurden als Handfunkgeräte die UFT 430 / 431 genutzt. Es handelte sich dabei um 1-Kanal-Geräte im 11-m-Band (26,97 – 27,27 MHz) mit einer maximalen Sendeleistung von 1 Watt in der Betriebsart A3. Diese haben sich aufgrund vielfältiger Probleme wie z.B. der langen, herausziehbaren Antenne, in der Praxis allerdings nicht bewährt.

Handfunkgeräte im 2-m-Band kamen ab 1967 in den Einsatz. Die 4-Kanal-Geräte UFT 420 bildeten 1967 den Anfang.

Das UFT 422 folgte 1972.

Ab 1977 wurde das UFT 721 mit 4 Kanälen und einer Sendeleistung von 0,5 Watt eingesetzt.

Modifiziert gab es dieses Gerät auch als Funkmeldeempfänger UET 720.
Ab Ende der 70er Jahre wurde für die verdeckte trageweise auch tschechiche 2-m-Band Geräte PR 35 der Firma Tesla eingesetzt. Vorteil des Gerätes gegenüber den RFT-Geräten war die geringe Dicke der Geräte. Sie betrug etwa nur einem Drittel der ansonsten genutzten UFT 721. Für diese Geräte gab es entsprechendes Zubehör wie z.B. Induktionsohrhörer, die wie ein normales Hörgerät aussahen und Kleinstmikrofone. Ein solches Gerät ist Bestandteil der fernmeldetechnischen Lehrmittelsammlung der Bundespolizeiakademie in Lübeck. Leider liegen keine Informationen über technische Daten und Einsatzzeiträume vor.

Auch gab es die Tesla-Geräte in einer "normalen" Ausführung" bei der Polizei.

Die 12-Kanal-Geräte UFT 727 gab es ab etwa 1984. Sie wiesen ebenfalls 0,5 Watt Sendeleistung auf.

Ab etwa 1988 wurden tschechische Geräte der Marke TESLA eingeführt. Die Geräte des Typs PR31 wiesen 70 schaltbare Kanäle auf und hatten eine Schlüsselbezogene Kennung, die über den Geräteschlüssel, der zum Betrieb des Gerätes erforderlich war, erfolgte. Ohne diesen Schlüssel ließ sich das Gerät nicht einschalten. Mittels der Tastatur des Gerätes ließen sich 100 unterschiedliche Statusmeldungen abgeben. In der Leitstelle wurden der Geräteschlüssel und die Statusmeldungen dekodiert und auf einem Computerarbeitsplatz im Klartext angezeigt. Trotz des erheblichen technischen Fortschritts waren die Geräte in der Praxis nicht so beliebt, da sie aufgrund ihrer Größe und des damit verbundenen Gewichtes einen Rückschritt darstellten.

Im Heft 17 „Die Nachrichtenmittel“ der Serie „Kleine Fachbücherei der Feuerwehr“ aus dem Staatsverlag der DDR beschreibt Ing. Lothar Hoheisel im Jahre 1963 u.a. auch die bei den Feuerwehren eingesetzte Funktechnik. Die hierzu interessanten Abschnitte habe ich als pdf-Datei zusammengefaßt. Bitte die Größe der Datei (5 MB) und die daraus resultierenden langen Ladezeiten beachten.
In der Zeitschrift „Unser Brandschutz ( UB )“ - der Feuerwehrzeitung der ehemaligen DDR – wurde in den Jahren 1974 und 1975 in der Rubrik „Für den Feuerwehrmann“ eine Serie „Der Einsatz und die Pflege der Funktechnik“ (32 MB großes PDF!) von Hauptmann der Feuerwehr Ing. Lothar Hoheisel veröffentlicht. Diese Artikelserie beschreibt recht anschaulich und sehr ausführlich u.a. die damals eingesetzte Technik. Die schlechte Qualität des Scans liegt an meiner bescheidenen Technik. Ich bitte, dies zu entschuldigen.
In dem Feuerwehr-Fachbuch „Geräte und Aggregate der Feuerwehr“, erschienen 1984 im Staatsverlag der DDR sind im Kapitel 1.11 die Signal- und Nachrichtengeräte sowie im Kapitel 1.12 deren Zubehör beschrieben. Dies beinhaltet nicht nur die Funktechnik sondern alle Signal- und Nachrichtengeräte! Das PDF-Dokument ist etwa 7 MB groß – bitte die längere Ladezeit berücksichtigen!
Ich bitte beim Lesen des Artikel immer an die Zeit (1974) und den vergleichbaren Stand in der BRD zu denken.
Hier zur Erinnerung:
Wir schreiben das Jahr 1974. Das FuG 7b ist das Standardgerät der westdeutschen BOS. Aufgrund der hohen Kosten für FuG 7b werden in viele Fahrzeuge Wenigkanalgeräte eingebaut. Hierbei handelt es sich um 4-m Versionen von Betriebsfunkgeräten, die häufig nur mit ein oder zwei Kanälen bequarzt sind. Auch war es Standard, das nicht jedes Fahrzeug über Funk verfügte. Lediglich die Führungsfahrzeuge waren meistens mit Funk ausgestattet. Die 2-m Handfunkgeräte FuG 10 der Firmen AEG-Telefunken und Bosch sind seit 1972 auf dem Markt verfügbar, aber noch nicht weit verbreitet. Im Bereich des Krankentransportes war die Landschaft noch viel bunter. Private Abschlepp- und/oder Taxi-Unternehmen hatten nebenbei einen Krankenwagen, mit dem dann Notfälle gefahren wurden. Einheitliche Leitstellen befanden sich im Aufbau. Im Bereich der Feuerwehren gab es kein einheitliches Namensschema. Erst die Waldbrandkatstrophe in Niedersachsen im Jahre 1975 führte hier zu einem Umdenken und es wurde danach generell nur noch in Vielkanaltechnologie investiert. Die zu dem damaligen Zeitpunkt vorhandenen Wenigkanalgeräte wurden aber trotzdem über viele Jahre weiter genutzt und sind auch heute noch auf manchem älteren Fahrzeug anzutreffen.
In dem Buch Unfallrettung von R.F.Lick / H.Schläfer, erschienen 1973 im F.K.Schattauer Verlag, wird in einem Kapitel auch das Nachrichtenwesen ausgehend von dem 1972 in der BRD aktuellen Stand beschrieben. Die entsprechenden Seiten stelle ich hier als pdf-Datei zur Verfügung. Danach waren 1972 auch in Rettungsmitteln der BRD noch Wenigkanal-Funkgeräte weit verbreitet und bei den Feuerwehren häufig lediglich die Führungsfahrzeuge mit Funk ausgerüstet. Auch befand sich der heute bundesweit vorhandene Notruf 110 / 112 und entsprechende Leitstellen noch im Aufbau.
Ich danke Herrn Hartmut Greulich von der FAG Feuerwehrhistorik des Landesfeuerwehrverbandes Sachsen-Anhalt e.V. für die Überlassung der Unterlagen und die Unterstützung bei der Aufbereitung dieses Themas.